2017-03-Leitartikel

Pfarrbrief der Gemeinde

St. Bartholomäus Julbach

 

Nr. 3 - 2017 / 14.05.2015 - 25.06.2017 

 

 

 

 

Was ist Pfingsten?

 

Was bedeutet dieses Fest den Menschen in der heutigen Zeit?  Die Pfingsttage und  die Pfingstferien locken die Menschen ins Freie,  auf die Straßen und Autobahnen. An Pfingsten ist „man” unterwegs, ist Bewegung angesagt.

Bewegt euch!", ist das Motto unserer Zeit. Von allen wird Mobilität verlangt: Für einen Arbeitsplatz Hunderte von Kilometern zu fahren. Alle paar Jahre auf der Karriereleiter den Arbeitsplatz zu wechseln, um nicht als eingerostet zu gelten. In den Ferien ist Aktivurlaub angesagt.  

Aber ist nicht Pfingsten selbst das Fest der Mobilität? Die Apostelge-schichte beschreibt es doch. Vom Brausen, von Feuerzungen lesen wir, die den lähmenden, verängstigten Stillstand nach Ostern aufbrechen. Und davon, wie die Apostel sich aufmachen, hinauszugehen, das Wort Gottes verkünden und Hunderte zum Glauben bewegen. Braucht die Kirche, die in vielen Augen zu unbeweglich ist, nicht viel mehr Mobili-tät, den gleichen Schwung, den wir auch von uns selbst verlangen? Da ist sicher viel Wahres dran. Eine Kirche, die sich in ihr Schneckenhaus zurückzieht, verkennt eine ihrer wichtigsten Aufgaben: zu den Men-schen zu gehen, ihnen von Gott zu erzählen. Und das ist nicht allein die Aufgaben der  Kirche, sondern dazu sind alle Christen aufgerufen.

Eine kleine Anekdote zeigt aber noch einen anderen Blickwinkel: Beim Spielen verletzt sich ein kleiner Junge. Er weint ganz herzzerreißend, so laut, dass es ein Pfarrer hört, der zu ihm hingeht. Er streichelt dem Jungen über den Kopf und versucht ihn zu trösten: „Der liebe Gott wird das ganz schnell wieder heilen.” Der Junge stutzt, hört mit dem Weinen auf und fragt den Pfarrer dann: „Muss ich dazu zu ihm rauf oder kommt er zu mir runter?” Pfingsten gibt auf diese Frage die Antwort: Gott kommt zu uns Menschen runter. Er ist es, der sich bewegt, der sich auf den Weg macht. Er kommt zu uns Menschen, um uns zu bewegen. Ich brauche also nicht in Aktionismus verfallen, sondern darf zuerst einmal ruhig werden, still werden, mich dem Geist öffnen und mich von Gott bewegen lassen. Und wenn ich wirklich offen bin für den Heiligen Geist,  dann bin ich innerlich so bewegt, dass ich gar nicht anders kann, als mich auf den Weg zu machen zu den Menschen, um ihnen von Gott zu erzählen.   

Ihr Pfarrer

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